Timothy Treadwell ( Grizzly Man)- Spinner oder Held?!

Gestern sahen wir die neue Dvd des deutschen Filmemachers
Werner Herzog “Grizzly Man”. Die Dokumentation über das Leben des Timothy Treadwell, der 13 Sommer lang, völlig unbewaffnet, mitten unter den wohl größten  Braunbären Alaskas im Katmai- Nationalpark gelebt hat und dabei über 100 Stunden selbstgedrehtes Filmmateral entstanden sind, bis er und (s)eine Freundin von einem Grizzly getötet und sprichwörtlich gefressen worden sind.  Selbst der mehrere Minuten lange Todeskampf der beiden wurde tonlich aufgezeichnet. Dieses Filmaterial war die Basis für den deutschen Filmemacher Werner Herzog eine Dokumentation über diesen Mann entstehen zulassen. Eines vorwegzunehmen; der Film hat uns allen
sehr gut gefallen! Doch es geht, wie viele vielleicht erwarten würden, weniger um die Bären an sich, als das der Film das Leben des Treadwell dokumentieren soll.
Der Film brilliert dennoch durch  wunderschöne Naturaufnahmen, körpernahe Begegnungen mit mehreren  hundert Kilo schweren Braunbären, die einen nur so staunen lassen können.
Bilder die ich so, selten oder nie gesehen habe! Er näherte sich den  Raubtieren  bis auf wenige Meter und hatte mehrfach Hautkontakt zu Ihnen. Szenen in denen junge Braunbären im Anwesenheit der Mutter, Kontakt zu T.T. aufnahmen ohne das das Muttertier irgendwelche Anzeichen von Aggression oder Angst zeigte!
Und ich kann euch versichern, das eine Bärin auf Ihren Nachwuchs sehr gut
aufzupassen weiß und in aller Regeln alles andere als entspannt reagiert, sollte sich jemand zu nah an die “Kleinen” herangetrauen!
In anderen Szenen filmt T.T. aus nur wenigen Metern entfernt zwei sichtlich wütende wirklich!! riesige Grizzlys die sich gerade am Strand um
eine Bärendame streiten.
Oder die Aufnahme in dem er mit einem Bären schwimmt, eine Fuchsfamilie
ihn wochenlang begleitet, in der Hoffnung etwas Fressbares abzubekommen,
oder tatsächlich weil es so etwas wie Seelenverwandschaft zwischen Mensch
und Wildtier gibt, wie Treadwell behauptet?!
Dem selbsternannten Bärenschützer, optisch ein Mix aus Prinz Eisenherz und Otto Walkes, ehemaliger Junkie und Alkoholiker, machte es sich zur Lebensaufgabe die Grizzlybären Alaskas vor den seiner Meinung nach schädlichen Einflüssen der Zivilisation zu schützen.Er war fest davon überzeugt, dass die Bären in der Gegend ohne Ihn keine Zukunft hätten und von Wilderern gnadenlos bejagt werden. Nach Meinung vieler Experten, die sich auch im Film äußern, geht es den Alaska- Küstenbären, Kodiakbären alles andere als schlecht und sie sind weit davon entfernt ausgerottet zu werden. Die Population sei gesichert, die Zahlen seit längerer Zeit sehr konstant. Die Bären hätten größtenteils Ihre “Ruhe” vor den Menschen, Wilderei sei kaum ein Thema und die Jagd streng reglementiert. War T.T. einfach nur ein amerikanischer Spinner, der sich in etwas hineinsteigerte, vielleicht noch durch seine Drogenkarriere an irgendwelchen Wahnvorstellungen litt ,die Realität nicht als solche wahrnahm??!! Lasst es mich mal so formulieren: Treadwell war ein Freak, ohne Frage, aber einer den man eigentlich nur sympathisch finden kann.
Ich glaube nicht, dass er den Bären geschadet hat, wie es der ein oder andere sogar formulieren würde, weil er sich den Tieren vielleicht teilweise etwas aufgedrängt haben mag, vermenschlicht hat. Die Tiere aber hätten ihm aus dem Wege gehen können und hätten Ihn nicht erst nach 13 Jahren töten müssen. Bei jeder seiner vielleicht hunderten Begegnungen mit den Tieren hätte selbst ein Prankenhieb ausgereicht, um Ihn ausser Gefecht zu setzen!Warum also erst im 13.Sommer?? Man vermutet, dass ein älteres ,männliches Tier aus dem Hinterland, Treadwell und Begleitung getötet haben soll. Das  Kuriose: normalerweise reiste Treadwell im Herbst immer zurück, doch in seinem letzten Sommer unter den Bären kehrte er nach einem Streit um eine Lapalie mit einer Angestellten am Abflughafen kurzer Hand zurück zu den Bären. Treadwells vertraute Bären haben sich aufgrund der Witterung zurückgezogen und andere, wildere, unbekannte Bären aus dem Hinterland kamen an die mildere Küste. Unter Ihnen vermutlich auch der Bär, der T.T und seine Freundin im Zelt überraschte und beide tötete!
Das Entscheidende für mich war sein guter Wille, die Idee, er hatte ein Ziel, das er auch professionel vermarktete, er unterrichtete an Schulen, hielt Vorträge usw. Und er machte alles kostenlos!! Das Geld seiner Stiftung ist gut investiert und wird voll und ganz dem Tierschutz zu Gute kommen. Da bin ich mir sicher!
Auch hat Treadwell trotz oder gerade durch seinen Tod Aufmerksamkeit erregt und den ”Tierschutzgedanken” gefördert! 
Die gelungene Dokumentation von Werner Herzog zeigt viele Seiten.
Einmal die wunderschönen Naturaufnahmen, herzzereisende, faszienierende Begegnungen zwischen Mensch und Wildtier, die Würdigung einer Lebensaufgabe, aber gleichzeitig sieht Herzog in seinem Hauptdarsteller einen durchgeknallten Amerikaner, der sich manchmal selber wie ein Bär fühlte und sich einbildete, der Katmai- Nationalpark und die Bären seien sein Eigentum und nur er könne die Tiere vor deren Aussrottung bewahren.
 

Im Film sagte Herzog bei einer Nahaufnahme eines Bären, das er in dessen Augen keine Seelenverwandschaft erkannte, so wie Treadwell es formulierte, sondern er blickte in die leeren, gleichgültigen Augen eines wilden Tieres…. In schlechten Videoclips oder billigen amerikanischen Filmen heißt es doch
am Ende manchmal: 

In memory of Timothy Treadwell.. 

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